Diverse Stakeholder entwickeln gemeinsam eine neue Struktur für die DGE Qualitätsstandards für die Gemeinschaftsverpflegung

Kein Einwand mehr

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung DGE e.V. erreicht durch die Beteiligung aller Stakeholder eine Lösung, der alle zustimmen

Der Deutschen Gesellschaft für Ernährung DGE e.V. ist im vergangenen Jahr etwas Herausragendes gelungen. Sie hat mit vielen Stakeholdern gemeinsam ein Konzept für die Überarbeitung der so genannten DGE Qualitätsstandards für die Gemeinschaftsverpflegung erstellt und mit Zustimmung aller verabschiedet.

Das gab es noch nie. Auch früher waren Stakeholder immer wieder in konzeptionelle Entwicklungen einbezogen worden. Trotzdem gab es oft Kritik und Widerstand.

Dieses Mal wollte man deshalb noch partizipativer vorgehen und im Konsent entscheiden. Das war für die DGE neu. Frau Dr. Jasmin Geppert, Leiterin des Referates Gemeinschaftsverpflegung und Qualitätssicherung in der DGE und Projektleiterin, formulierte es so:

"Die DGE hatte den Wunsch, alle relevanten Stakeholdergruppen an der strukturellen Überarbeitung ihrer DGE-Qualitätsstandards zu beteiligen, um die Standards zukünftig noch besser auf die Bedarfe der Praxis auszurichten. Zu Beginn des Prozesses waren wir jedoch sehr skeptisch, ob es gelingen kann, mit einer so großen und vielfältigen Gruppe in einem sehr begrenzten Zeitraum ein Konzept zu erarbeiten, das von allen mitgetragen wird.“

Ein mutiger Schritt also, sich trotzdem darauf einzulassen. Das Vorhaben lief im Rahmen des Projektes IN FORM, gefördert durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH).

Was lief dieses Mal anders?

Drei Dinge. Erstens wurden alle Stakeholder von Anfang an, also noch vor jeglichen konzeptionellen Überlegungen oder Ideen seitens der DGE eingebunden. Und es waren einen ganze Menge Stakeholder: Einrichtungsleitungen, Küchenpersonal, Hauswirtschaftler, Träger von Einrichtungen, wie beispielsweise Kommunen, Ernährungswissenschaftler, die Politik und Caterer, die als Unternehmer neben einer guten Gemeinschaftsverpflegung natürlich auch wirtschaftliche Interessen haben. Insgesamt bestand die Stakeholdergruppe aus gut 70 Personen.

Zweitens waren die Stakeholder aktiv und gleichberechtigt an der Konzeption beteiligt. Ein Novum, denn früher hatte die DGE zwar Meinungen und Rückmeldungen von Stakeholdern aufgenommen, die Konzeption lag aber in ihren Händen.

Drittens sollte das Konzept nur verabschiedet werden, wenn alle zustimmen.

Die Methode Convergent Facilitation ermöglicht genau das.

Gemeinsame Konzeption

Im Mai 2025 fand ein Auftaktworkshop mit allen Stakeholdern in den Räumlichkeiten der DGE statt. Dort wurde ein gemeinsames Fundament für die weitere Arbeit gegossen. Ein Anforderungskatalog entstand, in dem die Belange aller Stakeholder vereint waren und hinter dem alle stehen konnten.

Es wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aller Stakeholder zusammengestellt und von allen Anwesenden mandatiert. Dann ging es los. In mehreren Online-Treffen wurden Ideen gesponnen, konzeptionelle Ansätze entwickelt und zu einem Grobkonzept verdichtet. All das immer vor dem Hintergrund des gemeinsam verabschiedeten Anforderungskataloges. Ende August wurde das Grobkonzept dann von der gesamten Stakeholdergruppe verabschiedet.

In weiteren Online-Treffen wurden spezifische Aspekte des Konzeptes in thematischen Arbeitsgruppen weiter ausgearbeitet und zu einem Feinkonzept zusammengefügt.

Verabschiedung im KonsenT

Bei der Verabschiedung des Konzeptes im November ging es nicht nach dem Mehrheitsprinzip. Ziel war, dass alle hinter dem Konzept stehen. Alle Vorbehalte, Bedenken und Einwände wurden deshalb berücksichtigt und das Konzept so lange angepasst, bis niemand mehr ein Nein hatte.

Hat das dann nicht endlos lange gedauert? Nein. Der Zeitbedarf dafür war sehr überschaubar. Er musste auch überschaubar sein, denn die Projektzeit war knapp und die Stakeholder aus der Praxis konnten nur begrenzte zeitliche Ressourcen zur Verfügung stellen.

Was war entscheidend?

Wie auch bei zuvor von der Stakeholdergruppe getroffenen Beschlüssen, ging es auch bei der Verabschiedung des Feinkonzeptes im November nicht nach dem Mehrheitsprinzip. Ziel war, dass alle hinter dem Konzept stehen können und es mittragen. Alle Vorbehalte, Bedenken und Einwände wurden deshalb berücksichtigt und das Konzept so lange angepasst, bis niemand mehr ein Nein hatte.

So gelang es gemeinsam ein Konzept zu erstellen und einstimmig zu verabschieden – und das in nur 6 Monaten. Noch dazu für eine gute Sache: die Verbesserung der Gemeinschaftsverpflegung in Senioreneinrichtungen, Kitas, Schulen, Krankenhäusern usw.

Frau Dr. Jasmin Geppert formulierte es so: „Rückblickend sind wir glücklich darüber, uns auf die für uns neue Methode Convergent Facilitation eingelassen zu haben. Es war sehr bereichernd, in den Austausch zu treten, die durchaus unterschiedlichen Anforderungen, Perspektiven und Ideen der verschiedenen Stakeholdergruppen zu erfahren und dennoch in kurzer Zeit einen gemeinsamen Nenner zu finden.“