Die Beteiligten atmen auf!
Ein Schlüsselmoment in der Klärung von Konflikten
Wenn Konfliktbeteiligte wirklich spüren, dass sie VERSTANDEN worden sind, atmen sie auf. Es tritt ein beinah magischer Moment unglaublicher Erleichterung ein. Die Hauptaufgabe von Konflikt-Begleiter*innen ist, auf diesen Moment hinzuarbeiten, denn von ihm hängt das Gelingen der gesamten Klärung ab.
Woher kommt das Aufatmen?
In emotional aufgeladenen Situationen führt die innere Gewissheit, dass bei den Anderen wirklich angekommen ist, wie es mir mit einer belastenden Situation geht, zu großer Erleichterung.
Folgende innere Prozesse wirken dabei zusammen:
- Mein DRUCK löst sich: denn ENDLICH wissen die Anderen, wie es für mich ist. Ich muss nicht mehr befürchten, mit meiner Sicht kein Gehör zu finden. Ich muss nicht mehr darum kämpfen oder Angst davor haben, in Frage gestellt zu werden.
- Ich weiß nun: die anderen können mein Handeln NACHVOLLZIEHEN; sie wissen jetzt, dass kein böser Wille dahintersteckt.
- Mit dem, was ich gezeigt habe, bin ich FÜR MICH EINGETRETEN. Es erleichtert mich, der Ohnmacht innerhalb der vollautomatischen Konfliktmuster zu entkommen, in denen ich zusammen mit den anderen Beteiligten bisher wie gefesselt bin (Selbstfürsorge, Selbstwirksamkeit).
- Beim Sprechen habe ich erst vollständig entdeckt, was für mich dahintersteckt. Ich finde aus dem inneren Chaos heraus und gewinne KLARHEIT darüber, was mir wichtig ist.
- Ich erkenne dabei: ich bin nicht ohne Grund so emotional. In mir geht es deshalb so turbulent zu, weil etwas Wichtiges auf dem Spiel steht, das ich brauche.
- Die anderen haben mein Empfinden mit ihren eigenen Worten bezeugt - sie haben meine Wahrheit ANERKANNT und BESTÄTIGT. Ich war ihnen wichtig genug, dass sie sich mit mir im Dialog verbunden haben (Wertschätzung).
Wie kann dieser Punkt erreicht werden?
Letztlich reicht dafür eine EINFACHE und FESTE DIALOGSTRUKTUR aus - der RESTORATIVE CIRCLE: ein Facilitation-Ansatz für systemische Konfliktklärung. Mit ihm begleiten wir seit über 12 Jahren die am Konflikt beteiligten Menschen zuverlässig bis zu diesem zentralen Wendepunkt des tiefen Verstehens.
Die Konfliktpartner werden in einem Pendel-Dialog dazu angeleitet, detailliert zu beschreiben, wie es in ihnen aussieht. Das jeweilige Gegenüber ist eingeladen, mit eigenen Worten wiederzugeben, was davon in ihr/ihm ankommt. Was genau ist für den Betreffenden so schwierig, belastend oder verletzend? Was ist das Wesentliche?
Dieses Pendeln erfolgt so lange, bis derjenige, der mit etwas gehört werden möchte, bestätigt:
„Ja, so ist es, jetzt hast du es (endlich) verstanden!“
Wie wirkt es sich aus?
Immer dann, wenn jemand mit etwas wirklich gehört und verstanden worden ist, wächst ihre/seine innere Kapazität auch dem Anderen zuzuhören. Der andere wird wieder als ganzer Mensch wahrnehmbar. Es entsteht eine innere Öffnung und mehr Bereitschaft dafür, auf die anderen zuzugehen, um gemeinsam etwas dafür zu tun, dass es allen besser geht.
